available forms

available forms – Verhandelte Spielräume

 

Im Dezember 2018 wurde der Kunstwettbewerb „Kunst im Stadtraum am Hansaplatz“ abgeschlossen. Als Mitbewerberin, ist neben den 15 eingereichten künstlerischen Entwürfen, der Wettbewerbsbeitrag „available forms“ eine temporäre künstlerische Intervention am Hansaplatz als Nachrücker gereiht. Die Ausgangsfragestellung für die Erarbeitung der Kunstwerke war „Was machen Menschen mit Räumen und Räume mit Menschen“. Die inhaltliche Klammer bildete dabei der Ort des Hansaplatzes selbst und was die Künstler*innen dort gefunden haben.AF_slide_01AF_slide_02

Skizzen : T.Schütz

 

 

available forms – Verhandelte Spielräume

 

Offenheit, Unvorhersehbarkeit, Verschiedenheit bedingen das Neue, die Stadt im Wandel. Dennoch werden die positiven Momente des Gesellschaftswandels, die Diversität und Fremdheit mit sich bringen, als verunsichernd empfunden und von problematisierenden Diskursen überlagert. Damit einhergehende konfliktuelle Auseinandersetzungen um die Nutzungen des öffentlichen Stadtraumes betreffen nicht nur den Hansaplatz.

Die subjektiv empfundene und gesellschaftliche Verunsicherung nährt sich am politisch und medial getragenen Sicherheitsdiskurs, der in den städtischen Alltag diffundiert, als Tischgespräch von Gleichgesinnten und in Echos digitaler Blasen. Das Sprechen über Angst wird konkret im öffentlichen Raum. Mehr und mehr Ausgrenzungs-Tendenzen werden beobachtbar, bei denen bereits erkämpfte demokratische Grundrechte zugunsten der Herstellung von Sicherheit, Sauberkeit und Ordnung abhanden kommen.  Ziel dieser Arbeit ist, dass Menschen über künstlerische Formate wieder, anders und neu ins Gespräch kommen. Konflikte werden dabei als konstituierend für öffentliche Raume behandelt und als Chance für Aushandlung genützt um sie interaktiv zu transformieren.

Über vier Wochen bis Mitte September 2019 werden am Wasserbecken vor der Hansabücherei unzählige Schalen aus Ton geformt. Um das Instrumentarium bildet sich ein Ensemble, das Offenheit zum musikalischen Motiv einer Komposition erhebt, die über und unter Wasser mit dem Zufall des Aufeinanderprallens und Intensität der Berührung im Vielklang der Formen spielt. Es ist ein Kommen und Gehen in diesem produktiven Setting am Hansaplatz. Wer zufällig vorbeikommt formt etwas, das schwimmt und klingt, mit eigenen Händen und, oder auch, gemeinsam mit anderen aus Ton. Entstehende Formen erinnern an Tassen, an Alltagsgegenstände aus dem privaten Bereich, die sonst bei vertrauten (Selbst-)Gesprächen die Zuhörenden repräsentieren. Am Beckenrand aufgereiht heben sie Unterschiedlichkeit nicht als Besonderheit der Einzelnen, sondern als Eigenschaft der Vielen hervor. Ein mobiler Werkzeugwagen dient um die Formen in der Nachbarschaft zum Trocknen zu verteilen, oder für Workshops bei projektbegleitenden Foren wie auch in ungenutzten Gemeinschaftsräumen des Hansaviertels. Parallel wird mit dem Komponisten Matthias Kranebitter eine kollektive Komposition mit den gebrannten Tassen entwickelt, bei der ein Schwarzplan des Hansaviertels in Anlehnung an die Experimente musikalischer Notationsformen der 50er und 60er Jahre, und dem gleichnamigen Werk „available forms“ von Earl Brown, zur graphischen Partitur wird.

Die Komposition bleibt auch zu ihrer Aufführung in ihrer Besetzung offen und ermöglicht so das Hinzukommen und Fernbleiben von Interpreten zu jedem Zeitpunkt. Tassen dienen sowohl außerhalb des Wasserbeckens, auf dem Wasser sowie auch Unterwasser als Klangquelle. Elektronisch werden die verborgenen Klänge der Unterwasserwelt an die Oberfläche gebracht, durch neuerliches Aufnehmen und Abspielen gespiegelt und zurückgeworfen – ein symbolisches Wechselspiel zwischen Vertrautem und Fremdem.

20-05-2018 Available Forms– verhandelte Spielräume, Wettbewerbsbeitrag zu Kunst im Stadtraum Hansaplatz, Berlin Hansaviertel 2018.

Link: https://kunst-im-stadtraum.berlin