Detour

 

 

Orte werden Codes.

Die Fähigkeit des Menschen, Orte selbständig und unvoreingenommen zu erfahren, schwindet mit der permanenten Beeinflussung durch Konsum- und Kulturinformation. Der kommerzialisierte öffentliche Raum wird selbst zur Ware, zum Markenprodukt mit Wiedererkennungswert. Nicht-Orte liegen jenseits der Grenzen unserer codierten Wahrnehmung. Aufgrund ihrer fehlenden Einbindung in gesellschaftliche Wertesysteme, erscheinen Nicht-Orte bedeutungslos. Bedeutungslosigkeit birgt jedoch ein Potential der Mehrdeutigkeit und damit Offenheit in der Realität einer alles bestimmenden Kulturökonomie. Dieses Potential wird sichtbar im Akt der Deutung; ein Zwischenzustand, den ich als Offenen Ort definiere. Ein Offener Ort ist ein Zustand der Mehrdeutigkeit im Raum, ist permanent gelebte Differenz. Als Entwurfsmethode ergibt sich für mich somit eine DETOUR im Sinne einer Neuorganisation von Werten innerhalb einer bestehenden Ordnung, eine utopische Bricolage, oder, vereinfacht ausgedrückt, ein Umweg als Zielsystem.

 

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Eine Gefühlsgedankenbewegung

Detour soll der Titel des Stadtführers vom Nicht-Ort zum offenen Ort sein. Präsentiert werden Strategien zum Finden und Erfinden versteckter Potentiale, oder Qualitäten der Nicht-Orte, die zu ungewöhnlichen Entwurfsansätzen und einem erweiterten Verständnis urbaner Bewertungskriterien führen. Als Testgelände dient Simmering , das andere Wien. Der Entwurf eines Initiators für die Wiederbelebung vergessener Leerräume in Simmering entsteht aus der subjektiven Interpretation von Qualitäten der Nicht-Orte, die als Designkriterien verwendet werden, und wird nicht auf sich selbst, sondern auf das versteckte Potential jener Orte aufmerksam machen.

DETOUR sucht nach dem Moment vor dem Erkennen der Kehrseite der Medaille, sucht nach einem neuen Bild von Urbanität, nach neuen Formen zwischen Ort und Nicht-Ort und insofern versucht DETOUR einen räumlichen, sozialen, ideologischen und mentalen Zwischenraum zu füllen.

 

2008-2009 DETOUR-Simmeringer Stadtgeflüster – Masterarbeit der Architektur am Institut für künstlerische Gestaltung der TU-Wien

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