Ich hör´ich hör´was du nicht siehst…

Architekturwerkstatt im Rahmen der KUNSTWELTEN mit Grund-Schülern und -Schülerinnen aus Bitterfeld Wolfen

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Der Reichtum der Industriestadt Bitterfeld-Wolfen sind ihre Menschen – in dem Chemiestandort entwickelten bis zur Zeit der DDR Wissenschaftler, Ingenieure und Arbeiter wegweisende Techniken für den Flugzeugbau, die Foto- und Filmindustrie und heute für die Nutzung der Solarenergie. Die Stadt steht bei WIR SIND DIE STADT von 22. Juni – 16. Oktober 2015 im Zentrum der KUNSTWELTEN, dem kulturellen Vermittlungsprogramm der Akademie der Künste Berlin. In Projekten mit Schülerinnen und Schülern aus Bitterfeld-Wolfen entwickeln Künstlerinnen eine neue neue Sicht auf diese Stadt.

In der Architekturwerkstatt ICH HÖR ICH HÖR WAS DU NICHT SIEHST… lernen UNOs mit der 3. Klasse der Grundschule Steinfurt die Stadt mit den Ohren zu sehen. Wir bauen uns ein urbanes Klimborium, versammeln alte Sachen, kaputtes Zeug und Dinge von Gestern und helfen ihnen gemeinsam wieder sprechen zu lernen.

Jede Stadt erzählt ihre Hör-Geschichte, so wie jeder Raum spricht und ein Klangereignis färbt. In Bitterfeld-Wolfen liegt keine Großstadt und doch eine sehr bewegte Stadt, ein ruhelos, von Motoren-, Strom- und Mediengeräuschen dominiertes Netz aus verknüpften und vermischten Klangwelten.

Bei einem Ausflug mit den Schülerinnen auf den nahe gelegenen Marktplatz am Parkplatz vor dem Einkaufszentrum sind wir mittendrin. Wir schliessen die Augen und konzentrieren uns auf Geräusche, die wir sonst meist nur unbewusst wahrnehmen, weil wir sie eben nicht sehen. Jede Stadt hat ihren eigenen Rhythmus. Eine Stadt klingt immer anders, jeder Tag, jede Sekunde verändern sich die Dinge, die ihre Geräuschkulisse ausmachen. Das Brathuhn im Grill eines Marktstands brutzelt, Maiskörner krachen und puffen unregelmäßig in einer Popcorn-Maschine, kreischender Baustellenlärm durchschneidet das aufgeregte Stimmengewirr am Markt und übertönt ein an uns vorbei brummendes Motorrad während die Hebebühne eines Lieferwagens laut surrt und quietscht. Natürlich gibt es auch Klänge, die regelmäßig und immer wieder zu hören sind, oder beinahe immer gleich klingen, wie die Kirchenglocken oder die Kassa in einem Supermarkt, oder das leise Hintergrundrauschen der nahe gelegenen Autobahn. Jedes Kind nimmt von dem Spaziergang mit geschlossenen Augen durch Wolfen ein privates Klangereignis in seiner Erinnerung mit ins Klassenzimmer.

WERKSTATT-ABLAUF

Am 1. Tag beginnt jedes Kind ein Gebäude oder Gehäuse für seinen Klang oder ein Geräusch zu bauen, das in einer Hör-Geschichte einer Stadt wie Wolfen vorkommen sollte. Wir zeichnen dafür einen Plan auf Papier, und dann übertragen wir die Zeichnung vom Papier auf dünne Holzplatten. Mit der Säge schneiden wir aus dem Holz die Teile aus und picken sie mit der Heißklebe-Pistole zusammen zu einer Schachtel, bei der eine Seite offen bleibt.

Am 2. Tag bauen wir die Gehäuse fertig. Die Gehäuse sollen wie ein Resonanzkörper von einem Musikinstrument oder einem Lautsprecher funktionieren und die Klänge, die kleine Motoren im Inneren anspielen werden, verstärken. Für trommelnde Klänge, oder damit Geräusche lauter werden, können Kinder eine Membran mit Kleister und Backpapier basteln. Wir bemalen und bekleben ausserdem die Fassaden der Gehäuse mit verschiedenen Bildern aus Zeitungen, die für die Geräusche, die aus ihnen heraus schallen stehen.

Am 3. Tag werden kleine Geräusche-Macher in die Gehäuse eingebaut. Wir haben Elektro-Motoren von alten Baumaschinen und alten Computern ausgebaut, neu verkabelt und mitgebracht. Jedes Kind darf so einen Motor in sein Gehäuse einbauen. Die Motoren machen schon für sich Lärm, wenn man sie einschaltet, aber indem wir z.B. dünne Fäden spannen, die wie Gitarrensaiten schwingen, oder indem wir kleine Teile in die Gehäuse hineingeben, die laut rascheln, werden auch noch ganz andere Klangereignisse möglich.

Am 4. Tag experimentieren wir an unseren improvisierten Instrumenten so lange weiter, bis uns ihre Klänge nicht nur wirklich gut gefallen, sondern denen entsprechen, die beim Stadtspaziergang in unseren Ohren nachschwingen. Dann stellen wir alle Klangereignisse zu einer großen Geräuschkulisse zusammen und bauen dafür ein verbindendes Gerüst aus gerollten Zeitungspapier-Stäben. Wir geben unserer Skulptur den Namen FLÜSTERSTADT.

Am Ende probieren wir wie die FLÜSTERSTADT klingt, und was dazwischen noch alles mitschwingt, wenn wir gemeinsam ein Stadtkonzert spielen. Unüberschaubar, nicht überhörbar: Hier spielt die Stadt zusammen.

Kunstwelten
Kunstwelten

6-07 – 10-07-2015 ICH HÖR ICH HÖR WAS DU NICHT SIEHST – Architekturwerkstätte mit Grundschülerinnen aus Bitterfeld-Wolfen, im Auftrag und im Rahmen von KUNSTWELTEN – Kulturelle Vermittlung der Akademie der Künste Berlin, Bitterfeld-Wolfen

LINK: Akademie der Künste Berlin, KUNSTWELTEN – Kulturelle Vermittlung