performative Archeologien

 

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Eignen wir uns die Zeichen an und beginnen mit ihnen zu spielen.

Das Bild ist in unserem Verständnis noch immer ein gewichtigerer Beweis als ein erklärender Text. In unserem Leben orientieren und handeln wir in erster Linie aufgrund von visuellen Informationen. Dies ist mitunter ein Grund für die Mächtigkeit der Bilder in unserem Verständnis. Bilder sind eng mit unserem Leben und unseren Gewohnheiten verwoben. Wir sprechen von Rollenbildern oder dem Bild einer Gesellschaft, wir bilden uns eine Meinung oder die Meinung wird gebildet. Auch Realität, alles uns Umgebende, wird vorwiegend als visuelle Information wahrgenommen und anhand der sichtbar wahrnehmbaren Tatsachen zu erklären versucht. Jeder Mensch erarbeitet sich im Laufe seines Lebens neben einer allgemein bestimmten Definition und Erklärung eine jeweils persönliche Bild/ Bedeutungszuweisung, seine ganz persönliche “Sicht” der Dinge. Mithilfe dieser Grammatik werden immer weitere Gebiete und Eindrücke erschlossen und persönlich definiert. So konstituiert sich Raum nicht einfach sondern vielfach, nicht nur durch eine wiederholende Erzählung sondern wird jedes mal durch verschiedene Sichtweisen und dadurch Interpretationen neu geschrieben, verändert. Diese Veränderung ist wieder Grundlage für den gebauten Raum, bzw. die Interpretation dessen anderer AkteurInnen.

Jene Räume die wir als öffentliche  benennen, aufsuchen und benutzen, die uns aufnehmen und formen, indem sie uns zur Erscheinung bringen, sind ein durchherrschtes kommunizierendes Feld. Das Bild  des öffentlichen Raums  ist eine  diffuse Sprechweise  der Macht und eine visuelle Kultur der zwischenmenschlichen Organisation, die gemeinsam  unsere  soziale Übereinkunft menschlichen  Zusammenlebens organisieren. Öffentlicher Raum ist Ergebnis sozialer, kultureller, ökonomischer und ideologischer  Architektur und eine gesellschaftliche  Projektion. 

Was passiert aber nun, wenn ein solches Bild eines Raumes, ohne darüber zu reflektieren immer wieder interpretiert und wiederholt wird? Wann bewegt sich die gesellschaftliche Projektion aus dem ursprünglichen Sinnkontext und wird einzig nur mehr eine Reproduktion um der Reproduktion willen? Inwieweit vertrauen auch wir unbewusst diesen vorgegebenen Bildern, ohne weiter nach dessen Essenz für uns selbst zu fragen? Wie tragen diese Bilder, die uns täglich vermittelt und vorgelebt werden zu unserer Positionierung in unserem Umraum, in der Gesellschaft bei? Was passiert, wenn wir ausschliesslich nur mehr diesen Bildern nachlaufen? Und was passiert, wenn wir merken, das diese Bilder nicht mehr unserer gelebten Realität entsprechen?

Im Rahmen des Workshops wurde eine performative Versuchsanordnung realisiert welche den vom jeweils vorangegangenen Akteur visuell aufgezeichneten Weg zur Vorgabe und einzigen Grundlage für die Wiederholung dieses Weges durch seinen Nachfolger bestimmt. Durch die Unmöglichkeit, diese Vorgabe in seinem eigenen Handeln exakt zu reproduzieren entstehen Verschiebungen zwischen der im Video gezeigten und der tatsächlichen Position des Akteurs. Die Wahrnehmung der gefühlten Umgebung und des vorgegebenen Bildes erzeugen Deplazierungen. Die Realitäten beginnen zu oszillieren. Unsicherheit kommt auf.

Performative Archeologien Berlin
Performative Archeologien Berlin

 

31-08 – 02-09-2012 PERFORMATIVE ARCHAEOLOGIEN: Workshop zu medialer Praxis im öffentlicher Raum mit Robin Resch von den Arthoholics für den Masterstudiengang Raumstrategien der Kunsthochschule Berlin- Weißensee