POST | OPTICON

Wie artikulieren sich subjektlose Macht und neoliberaler Diskurs in meiner Selbst- und Fremdwahrnehmung? Und wie manifestieren sich ihre Auswirkungen auf öffentlichen Raum – verstanden als Medium durch das sich soziale Beziehungen entfalten?

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Das Recht auf öffentlichen Raum ist in demokratischen Gesellschaften nicht ohne das Recht auf Anonymität und Privatheit zu denken. Michel Foucault vergleicht den Polizeistaat des 19. und 20. Jhdts. mit der Gefängnisarchitektur des Panopticon von Jeremy Bentham. Er beschreibt das Machtsystem einer Disziplinargesellschaft das sich über das Bewusstsein von permanenter Sichtbarkeit seiner Bürger her- und sicherstellt. So stellt sich im digitalen Zeitalter erneut die Frage nach dem Recht des freien Individuums im öffentlichen Raum – und wie unter dezentralisierten Machtregimes und neoliberalen Datenökonomien öffentlicher Raum überhaupt noch als Ort gesellschaftlicher Emanzipation gedacht werden kann.

Öffentlicher Raum ist immer auch eine Frage der Grenzziehung. Mit Bedürfnissen nach Aufmerksamkeit und Sichtbarkeit fallen Wünsche nach Teilhabe an einer Informations- und Netzwerkgesellschaft zusammen sodass Grenzen freiwillig verschoben werden und voneinander getrennte Bereiche in einander fallen. In den hybriden Wechselbeziehungen digitaler Privatsphäre konstituiert sich ein vagues Terrain.

Es kommt zur Konfrontation und der Frage nach den Grenzen des gläsernen Menschen. Was passiert mit und in uns, wenn am Ende alle Lebensbereiche vollständig öffentlich geworden sind? Welche Rolle spielen dabei die permanente Verfügbarkeit von Informationen und die Freigabe und Daten? Wird das Verborgene und Verbergen zu Verdachtsmomenten führen?

Eine durch Transparenzen wirkende begehbare Medien-Installation verleitet dazu sich auf Wahrnehmungserfahrungen einzulassen. Es konstituiert sich ein vagues Terrain inmitten von Projektions- und Reflexionsebenen. Beobachtung wird zur Selbstbeobachtung. Selbst- und Fremdspiegelungen überlagern sich. Quellcodes von Internet-Videos treffen auf Eintretende und fügen Fragmente vieler Selbstrepräsentationen zu einem neuen Selbstbildnis zusammen.

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POST | OPTICON, Raum- und Medien-Installation, Theresa Schütz mit Asli Özarslarn unter Mitwirkung von Rainer Steurer, Im Rahmen des Kunststipendiums der JUNGEN AKADEMIE und mit freundlicher Unterstützung der AKADEMIE DER KÜNSTE, Berlin 2016